Einführung eines Zulassungsverfahrens für Nahrungsergänzungsmittel im europäischen Binnenmarkt
Bis die notwendige europaweite Regelung erfolgt ist, muss auf nationaler Ebene ein zentrales behördliches Zulassungsverfahren für NEM eingeführt werden, mit dem die Sicherheit der NEM sowie die korrekte Kennzeichnung und Richtigkeit der Werbeaussagen geprüft werden. Die bisherige bloße Anzeigepflicht (gemäß § 5 NemV) beim BVL ist nicht ausreichend.
Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe nicht weiter verschleppen
Gesetzliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe stehen auch mehr als 20 Jahre nach Einführung der EU-Richtlinie über Nahrungsergänzungsmittel weiterhin aus. Um den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu gewährleisten, muss die Europäische Kommission europaweit einheitliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in NEM festlegen. Sollte sich die auf EU-Ebene angekündigte Regelung weiter verzögern, muss die Bundesregierung auf nationaler Ebene rechtsverbindliche Höchstmengen festlegen, wie es andere EU-Mitgliedsstaaten bereits getan haben. Grundlage für eine nationale Regelung könnten die 2024 vom BfR aktualisierten Empfehlungen für Höchstmengen von Vitaminen und Mineralstoffen in NEM bilden.
Für die vulnerable Gruppe der Kinder müssen separate Höchstmengen, differenziert nach Altersgruppen, festgelegt werden. Maßstab muss die jeweils jüngste Zielgruppe sein, zum Beispiel bei Produkten, die sich an die ganze Familie richten. Für die Stoffe, für die keine Höchstmengenempfehlung auf Basis einer Risikobewertung vorliegt, sollten die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr nicht überschritten werden. Es bedarf zudem einer Klarstellung, dass NEM für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet sind.
Positivliste für andere Stoffe als Vitamine und Mineralstoffe
Jedes Jahr kommen zahlreiche neue Stoffe auf den Markt, wie Pflanzenextrakte, die Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt werden. Ihre Wirksamkeit ist oftmals nicht belegt. Für sie gibt es keine Qualitätsstandards. Verbraucher:innen geben hier nicht nur Geld für leere Versprechen aus. Manche Produkte können auch ernsthafte Neben- und Wechselwirkungen verursachen. Die vom Bundesinstitut für Risikobewertung vorgeschlagenen Warnhinweise für einzelne Stoffe sollten verpflichtend werden.
Die Verbraucherzentralen fordern vom europäischen Gesetzgeber, dass alle Stoffe, die NEM zugesetzt werden, über Positivlisten zugelassen werden müssen. Bisher sind lediglich Vitamine und Mineralstoffe entsprechend geregelt. In dieser rechtsverbindlichen Positivliste müssen die Definitionen, Reinheitsanforderungen, Qualitätsstandards und zulässige Mengen der jeweiligen Stoffe festlegt werden. Wenn diese Regelungslücke nicht in absehbarer Zeit auf EU-Ebene geschlossen wird, muss die Bundesregierung zügig eine nationale, rechtsverbindliche Regelung erlassen – beispielsweise auf Basis der Stofflisten des BVL und der Länder.
Außerdem sollte die Europäische Kommission für eine zeitnahe gesetzliche Regelung für die beantragten gesundheitsbezogenen Angaben (On-hold-Claims) für pflanzliche Stoffe (Botanicals) und deren Zubereitungen zu sorgen.
Einrichtung eines Nutrivigilanz-Systems
Die Verbraucherzentralen und der vzbv fordern die Bundesregierung auf, auf nationaler Ebene eine Meldestelle für die systematische Erfassung von Neben- und Wechselwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln einzurichten. Sie fordern die zuständigen Berufsverbände auf, mehr Aufklärungsarbeit sowohl bei Patient:innen als auch bei Ärzt:innen und in den Gesundheitsberufen hinsichtlich Wechselwirkungen zwischen NEM und Medikamenten zu leisten und konsequent bei Behandlungen nach der Verwendung von NEM zu fragen, um gesundheitliche Risiken zu minimieren.
Die Forderungen der Verbraucherzentralen im Detail: Nahrungsergänzungsmittel sicher regulieren
Quellen:
Onlinehandel braucht neue Regelungen. BVL-Cramer plädiert: EU-Referenzzentrum für eCommerce Kontrolle schaffen. BVL-Pressemitteilung vom 24.03.2022 (zuletzt abgerufen am 09.01.2025)
Nahrungsergänzungsmittel. Fast jede zweite Probe beanstandet. WDR Quarks, 20.04.2023 / 06.02.2024 (zuletzt abgerufen am 09.01.2025)
Präsentation der BVL-Jahrespressekonferenz "Lebensmittelsicherheit in Deutschland 2024", 05.12.2024 (zuletzt abgerufen am 09.01.2025)
Zoll-Jahresbericht 2023 (zuletzt abgerufen am 09.01.2025)
Positionspapier der Verbraucherzentralen und des vzbv vom 10.01.2025 (barrierefrei)
Nahrungsergänzungsmittel: Gesundheitsrisiken wenig bekannt. vzbv veröffentlicht repräsentative Befragung zu Nahrungsergänzungsmitteln. Pressemitteilung des vzbv vom 10.01.2025
Nahrungsergänzungmittel Tabellenband. forsa-Befragung im Auftrag des vzbv, Oktober 2024